Diabetes,

  • Es geht also aufwärts! Wer hätte das angesichts meiner Blutzuckerwerte, die traditionell immer schon etwas höher als der Normbereich waren, gedacht? Ich darf übrigens schon wieder Auto fahren, und der Termin zur nächsten Vorstellung im Krankenhaus ist erst in vier Wochen. Krücken brauche ich auch keine mehr. Außerdem muss der Verband nun nur noch alle drei Tage gewechselt werden. Wenn das kein Fortschritt ist?

    Das Thema Diabetes ist ein leidiges Thema. Ich habe ja manchmal den Eindruck, da wird mehr Bohey drum gebracht, und es wird aufgebauscht, als dass es wirklich vonnöten wäre. Oftmals, so habe ich den Eindruck, schieben die Ärzte wohl alles dem Diabetes wohl zu, weil sie zu bequem sind, um nach den wahren Ursachen zu forschen. Ähnliches berichten auch meine mich behandelnden Physiotherapeuten bzw. Freunde und Bekannte.

    Ein Beispiel. Während meines Aufenthaltes habe ich gemerkt, dass ich meinen linken Arm schlecht nach oben bewegen konnte. Als ersten Befund notierte der Orthopäde Plexus-Schaden aufgrund Polyneuropathie infolge Diabetes mellitus (zu deutsch: mehrfache Nervenschäden infolge von Zucker) und ordnete ein MRT zur Abklärung an. Sowas ähnliches schrieb übrigens auch der Radiologe in seinen Befund. Er konstatierte eine Atropie des Untergrätenmuskel (Musculus infraspinnatus). Eine weitere Abklärung bei den Neurologen (auch im Elisabeth-Krankenhaus in Süd) ergab dann ein sehr seltenes Krankheitsbild bei mir. Es hat sich lediglich der Überschulterblattnerv (Nervus suprascapularis), der sich auch in der Rotatorensmanschette befindet, zurückgebildet. Muskelschwund (Atropie) also, aber bei unklarer Entstehungsgeschichte.

    Aber es zog sich dann durch alle Befunde, dass ich Diabetes habe. Ein Gespräch mit dem untersuchenden Neurologen, der eine elektronisch Messung vorgenommen hatte, um die Leitfähigkeit des Muskels zu testen, ergab dann, dass dies eine Folge von Diabetes sein könne, aber nicht müsse.

    Jedenfalls ist dieses Krankheitsbild sehr selten und sogar auch im Lehrbuch beschrieben. Denn normalerweise sind die anderen Muskel in der Rotatorenmanschetten ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Das ist insofern bei mir nicht der Fall, da ich die Schulter völlig bewegen konnte und auch Kraft im Arm habe. Lediglich nach außen drehen und oben heben konnte ich den Arm schlecht.

    Ebenso scheint mir das Thema "Wundheilung" hinterfragenswert. Als Diabetiker wird einem nachgesagt, man habe eine schlechte Wundheilung. In meinem Fall war aber die Wundheilung sehr gut. Und außerdem scheint es – vor allem in Krankenhäusern – zig verschiedene Prinzipien bzw. Standards zu geben, nach denen man als Diabetiker eingestuft wird. Jeder Diabetologe hat da wohl so eine eigene Methode. Das deuteten auch Pflegerinnen an. Entsprechend unterschiedlich wird man dann auch behandelt, und ist man als Patient verwirrt.

    So wurden mir im Elisabeth-Krankenhaus erst ab einem BZ-Wert von 200 (mg/dl) zwei Einheiten (und das in Fünfzigerschritten) Kurzzeitinsulin gespritzt. Derweil bekam ich im Prosper-Hospital schon bei dem gleichen Wert zehn Einheiten Kurzzeitinsulin verabreicht. Da fragt man sich doch, wonach der Patient sich denn richten sollte. Eine entsprechende Anfrage an diverse Ärzte blieb übrigens unbeantwortet. Da bin ich doch lieber mein eigener Experte und pfeif´ da manchmal auf gewisse Meinungen, und wie man im vorliegenden Fall sieht, hat es ja auch nicht geschadet. (s. mehr über die Entwicklung meines Langzeitwerts in dieser Excel-Tabelle).

    Als ich 2014 zu meiner ersten Diabeteseinstellung im Klinikum Vest war, nahm ich nach der Entlassung innerhalb von drei Monaten etwa 14 Kilogramm zu. Ein dickes Ding. Nachdem ich sämtliche Insuline abgesetzt hatte, verlor ich innerhalb von sieben Monaten etwa 19 Kilogramm. Bei der Einlieferung ins Prosper wog ich etwa 93,5 kg.

    Mit meinen rund 100 kg wirke ich bei meiner Statur recht kräftig. Aber in meinem Umfeld (auch bei befragten Arzthelferinnen) ist nicht einer auf die Idee gekommen, ich sei adipös.

    An die dortige „Ernährungsberaterin“ im Klinikum Vest habe ich im übrigen keine gute Erinnerung. Sie war etwa 1,70 m groß und wog etwa 100 kg. Das ergibt also einen  – gefühlten – BMI  von 34,6 (Übergewicht). Die Dame war ein richtiger Kugelporsche, so ein kleiner Humpty Dumpty. Genausogut hatte mir ein Alkoholiker zur Abstinenz raten oder Wladimir Putin mir die Menschenrechte erklären können, so wirkten ihre Ernährungsemfehlungen damals auf mich. Ich kam mit der Dame übrigens auch zwischenmenschlich nicht klar, denn sie erinnerte mich figürlich und vom Gesicht her an eine Kundenficker-Else, mit der ich anderswo üble Erfahrungen gemacht habe. Aber das nur am Rande.Mit 98 kg bei 1,85 Metern erklärte mich das Klinikum Vest übrigens für adipös. Der BMI vom 28.3 – bedeutet aber lediglich Übergewicht - wenn man ihm denn überhaupt glauben kann.

    Besonders das Langzeitinsulin Lantus macht dick - mich zumindest. Aber Levemir ist auch nicht besser. Nach vier Monaten Insulineinnahme habe ich wieder knapp zehn Kilo zugelegt. Werde das Mastzeug wohl in Zukunft weglassen. Schließlich habe ich nach einem halben Jahr Insulin spritzen summa summarum 25 Kilo zugelegt. Mir scheint also, nicht Adipositas verursacht Diabetes, sondern umgekehrt. Auf jeden Fall kann man eher sagen: Diabetes macht dick! Jetzt bin ich – wieder mal – adipös.

    Als ich mich am 22. Oktober mal wieder bei meinem Hausarzt auf die Waage stellte, traf mich fast der Schlag. Die Waage zeigte knapp 103 kg, also 10 Kilo mehr und das  innerhalb von vier Monaten! Ich beschloss, auch das Insulin Levemir wieder abzusetzen und siehe da: Nach weiteren vier Wochen wog ich nur noch 99 Kilo. Weißte Bescheid? Halbes Jahr später waren weitere fünf Kilogramm weg.

    Ich selbst erkläre die positive Entwicklung erkläre ich damit, dass ich seit einem drei viertel bis einen Jahr weniger esse - warum, weiß ich nicht. Meine Ernährung habe ich nur leicht umgestellt. Ich verzichte überwiegend auf Kohlenhydrate in Form von Kartoffeln, Nudeln und Reis. Auch mit Gemüse bin ich sehr sparsam, denn das Zeug ist einfach zu teuer, wenn man bedenkt, dass ein Liter Bier im Discounter etwa 0,56 Cent kostet. Da kann auch kein Kilo Brot mithalten, dass etwa 3,20 € kostet. Und Bier ist ja schließlich flüssiges Brot. Daher trinke ich es auch regelmäßig und ersetzte so die Kohlehydrate, dich ich anderswo einspare.

    Und kein Alkohol ist ja auch keine Lösung. So im Schnitt trinke ich etwa 1,0 ein bis 1,5 l am Tag. Bier. Denn so ein Pils ist ja, wie wenn einem ein Engelchen die Seele pisst, wie ich immer sage. Und außerdem: Was wäre das Leben, wenn man nicht das täte, was einem Spaß macht? Cola, Malzbier oder Fruchtsäfte verschmähe ich übrigens auch nicht.

    Sie sehen, ich halte mich ja überhaupt nicht an die (Ernährungs-)Regeln, bin aber erfolgreich. Da kann noch dann an den offiziellen Diabetestheorien bzw. Verkündigungen etwas nicht stimmen, oder? Es wäre schön, wenn mir ein "Experte" auf meine Fragen mal eine Antwort geben und mir diesen Zusammenhang erklären könnte. Mein Diabetologe und mein Hausarzt sind jeweils ratlos. Ich auch.

    Und wie kann es sein, dass der Diabetes trotz der Wunde gesunken ist? Man sagt ja, Entzündungen erhöhen den Wert in der Regel, und da hatte ich im Sommer 2016 auch noch MRSA zu bieten.

    Denn ich kann nämlich so mit den vielen moralinsauren Tipps von Ernährungsberatern nichts anfangen. Sie kommen mir irgendwie vor wie eine Art neuer Sozialimperialismus, in wobei Mittel- und Oberschicht armen Leuten erklärt, wo der Frosch die Locken hat bzw. wie sie sich ernähren sollten. Das halte ich für arrogant und unnütz. Denn wie sagte man früher? Mein Bauch gehört mir und mein Teller auch!

    (23. Oktober). Nach knapp vier Monaten entschloss ich mich, noch einmal im Prosper vorbei zu schauen und mich beim Pflegeteam für die tolle Arbeit und Geduld, die es während der Woche mit mir hatten, zu bedanken. Das hatte ich ohnehin schon seit einiger Zeit vor. Die Pfleger/innen tun schließlich nur ihre Arbeit und können ja nun wirklich nichts dafür, wenn die höheren Dienstgrade Podexviolinen sind. Das sagte ich ihnen auch. Und ich sagte auch, dass die Pflege gut, aber die medizinische Betreuung  Sch.... gewesen sei. Ich vernahm großes Gelächter unter den anwesenden Pflegerinnen und musste es noch mal wiederholen, weil die Leitung beim ersten Mal nicht zugegen war.

    Die Pflegedienstleiterin hat sich über die Aufmerksamkeit, die ich ihnen zukommen ließ, (Gutscheine für Anwendungen auf Therapieliegen) sehr gefreut und meinte sogar, man solle mich zum Patienten des Jahres wählen, wenn es denn sowas gäbe. "Gute Idee!",  pflichtete ich ihr bei. Man müsste die Geschäftsleitung nur noch davon überzeugen, so einen Preis zu stiften. Jedenfalls war die Reaktion für mich ein inneres Lachsbrötchen und ging mir runter wie Öl. Ich bin da ja mal gespannt, ob das Prosper wirklich so eine Kategorie einführt. Damit der Gedanke nicht in Vergessenheit gerät, werde aber ich mal selbst so eine Inititative anregen. Jedenfalls haben die PflegerInnen bestimmt nichts dagegen, wenn ich mal hin und wieder vorbeischaue und sie besuche. Ich auch nicht.

    In diesem Sinne: Wir hören und wir stören uns!